WortTüftler

derBlindgänger

Wortart
Substantiv
Silbentrennung
Blind·gän·ger
Buchstaben
11
Scrabble-Punkte
21

Substantiv, maskulin (der)

Bedeutungen

  1. abgeschossener Sprengkörper, der aufgrund eines defekten Zünders oder einer defekten Sprengladung am Detonationspunkt des Ziels nicht explodiert (und für längere Zeit unentdeckt liegen bleibt)
    • „Nicht immer freilich, denn bisweilen kam so ein großer, böser Vogel durch die Luft gerast, bohrte sich ein, warf Erde, Lehm und Dreck zur Seite und — schwieg. Schwieg, daß welche erleichtert scherzten: ‚Blindgänger, lieber Blindgänger, sage es deinen Brüdern, sie sollen es alle machen so wie du!‘“Die Woche. Moderne illustrierte Zeitung. 19. Band. August Scherl Verlag/Hugenberg Konzern, Berlin 1917, Seite 167. Zitiert nach Google Books.
    • „In dieser Nacht wurde auch unser Haus von einer Bombe getroffen, von einem so genannten Blindgänger.“Eberhard Malwitz: Donnerkeile. Geschichte und erzählte Kindheitserinnerungen aus Pommern mit Stettin und Rügen. 1. Auflage, Books on Demand, Norderstedt 2003, ISBN 978-3-8330-0098-0, Seite 36. Zitiert nach Google Books.
  2. salopp, umgangssprachlich:jemand, der das von ihm Erwartete nicht leisten kann, der zu nichts taugt und ständig versagt
    • „Es ist nötig, sich Rüstzeug und Argumentationshilfen anzueignen gegenüber so vielen Blindgängern, die nichts begriffen haben.“Ralph Giordano (Hrsg.): „Wie kann diese Generation eigentlich noch atmen?“ Briefe zu dem Buch: Die zweite Schuld oder Von der Last Deutscher zu sein. Rasch und Röhring, Hamburg 1990, ISBN 978-3-89136-289-1, Seite 82. Zitiert nach Google Books.
    • „Die ganze Klasse dachte so, auch die drei Klassenmitglieder, die ich nicht zu Sekretären hatte schlagen können, weil sie nicht in der FDJ waren, solche gesellschaftlichen Blindgänger gab es ja durchaus, was ebenfalls mittlerweile vergessen zu werden droht.“Rüdiger Warnstädt: …immer wieder Warnstädt. edition hüne, Berlin 2009, ISBN 978-3-941754-02-7, Seite 217. Zitiert nach Google Books.
  3. umgangssprachlich:jemand, der eine/seine Arbeit schlecht ausführt
    • „Eine Reihe dahinter sitzt der Küchenbulle Sieverle. Auch so ein Blindgänger. Ist das nicht überhaupt der Bursche, der neulich den Skandal verursacht hat, als die Mannschaften sich weigerten, Mittagessen zu fassen?“Wolfgang Schreyer: Unternehmen Thunderstorm. Roman. 4. Auflage, Das Neue Berlin, Berlin 1955, Seite 30. Zitiert nach Google Books.
    • „Da muss die Spurensicherung sofort nochmal raus! Das haben diese Blindgänger vorhin garantiert nicht bemerkt.“Bernd Franzinger: Pilzsaison. Kriminalroman. 7. Auflage, Gmeiner Verlag, Meßkirch 2009, ISBN 978-3-8392-3134-0, [ohne Seitenangabe]. Zitiert nach Google Books.
  4. umgangssprachlich:Handlung, die sich als verfehlt erweist
    • „So benutzte sie ihr Liebesverhältnis mit dem Quäler, 1) um mich dazu zu provozieren, sie zu kritisieren und zu tadeln, damit sie sich dann um so freier fühlen könnte, ihr Ressentiment mir gegenüber zu bekennen und gegen mich als nun etablierte Über-Ich-Figur zu rebellieren; 2) um mich dazu zu veranlassen, mit Rat und Tat gegen einen mehr und mehr gefährlichen und brutalen Mann einzuschreiten und zu ihrem Schützer zu avancieren, also die schützende Funktion des Über-Ich zu übernehmen; und 3) vielleicht am prominentesten, um mich als unwirksam, unsere Einsichten als großartige Blindgänger und damit all mein Können und Wissen als lächerliche Prätention zu entlarven - in einer Umkehrung des Über-Ich-Verhältnisses: Nun wäre ich der klägliche Versager, nicht sie.“Léon Wurmser: Flucht vor dem Gewissen. Analyse von Über-Ich und Abwehr bei schweren Neurosen. 3. Auflage, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2000, ISBN 3-525-45876-2, Seite 125. Zitiert nach Google Books.
    • „Diese Sorge entpuppte sich als Blindgänger.“Grete R.: Lena-Sophie. 1., neue Auflage, Books on Demand, Norderstedt 2011, ISBN 978-3-8423-3881-4, Seite 105. Zitiert nach Google Books.
  5. umgangssprachlich:Unternehmung oder dergleichen, die (unerwarteterweise) enttäuschend, negativ, schlecht ausgeht
    • „Andere Träume sind versackt, versandet, oder sie erwiesen sich bei Erfüllung als Blindgänger.“Brigitte. Das Magazin für Frauen. Ausgaben 24–26, Gruner + Jahr, Hamburg 2002, Seite 129. Zitiert nach Google Books.
    • „Hier kommt man entweder gar nicht zur Anwendung, weil die Situationen, für die diese Methoden entwickelt wurden, so nicht eintreten. ‚Blindgänger‘ ist wohl der Fachausdruck für solche Vorlagen.“Jens Aderhold, Matthias Meyer, Ralf Wetzel (Hrsg.): Modernes Netzwerkmanagement. Anforderungen – Methoden – Anwendungsfelder. 1. Auflage, Gabler, Wiesbaden 2005, ISBN 978-3-409-14335-6, Seite 3. Zitiert nach Google Books.
  6. umgangssprachlich:militärischer Vorgesetzter, der sich keiner großen Beliebtheit erfreut
    • „Da hat uns der Krieg am Schlafittchen, und so ein lausiger Blindgänger macht sich Sorgen, daß ich ihm ein Kotelett wegfressen könnte. Eigenartige Sitten herrschten beim Divisionsstab.“Magnus Hirschfeld, Andreas Gaspar, F. Aquilla: Sittengeschichte des Zweiten Weltkrieges. Die 1000 Jahre von 1933–1945. In: Magnus Hirschfeld (Hrsg.): Sittengeschichten des 20. Jahrhunderts. 3. Band. 1. Auflage, Karl Schustek, Hanau am Main 1968, Seite 126. Zitiert nach Google Books.
    • „Da kann so mancher ‚Blindgänger‘ jüngeren und besseren Kräften den Weg in eine höhere Laufbahn verbauen. Und hier sind die Vorwürfe gegen das Elitäre des Generalstabsdienstes vollauf berechtigt.“Hubert Zeinar: Geschichte des österreichischen Generalstabes. 1. Auflage, Böhlau Verlag, Wien/Köln/Weimar 2006, ISBN 978-3-205-77415-0, Seite 824. Zitiert nach Google Books.
  7. umgangssprachlich:ein sich (unter Berufung auf Gewissensgründe) dem Kriegs- beziehungsweise Militärdienst verweigernder Wehrdienstpflichtiger
  8. umgangssprachlich:ein sich seiner Pflicht zu entziehen suchender Mann
  9. umgangssprachlich:ein in Kriegszeiten nur Garnisonsdienst in der Heimat leistender Soldat
  10. umgangssprachlich:Soldat, der einen ungefährlichen Posten hinter der Front innehat
  11. umgangssprachlich:eine Flasche Bier, Wein oder dergleichen, die leer ist oder geleert wird
    • „So heißen leere Wein- oder Bierflaschen […] B l i n d g ä n g e r.“Theodor Imme: Die deutsche Soldatensprache der Gegenwart und ihr Humor. 1. Auflage, F.W. Ruhfus, Dortmund 1918, Seite 146. Zitiert nach Google Books
  12. umgangssprachlich:Flatus, der statt des zu erwartenden Exkrements aus dem After entweicht
    • „Als Kontrast, das der freigemachten Wamme in den Äther Entweichende: ein dumpfes, über stählern wirkende Rippenbögen und kapriziös geschwungene Wirbel sich zusammenbrauendes Gewitter, dessen nachfolgend paradoxes, infantil-obszönes Klangkonzert unvermeidlich an peinlich laute Fürze erinnert. Aber, Gott sei Dank, das sind nur magenrumpelnde »Blindgänger«.“Frieda Norka: Rückkehr ins Kinderseelen-KZ. 1. Auflage, tologo verlag, Leipzig 2010, ISBN 978-3-940596-02-4, Seite 322. Zitiert nach Google Books.
  13. umgangssprachlich:jemand, der gerne und häufig angibt/aufschneidet/prahlt
  14. umgangssprachlich:jemand, von dem (fälschlicherweise, irrtümlicherweise) angenommen/vermutet wird, er meine alles besser zu wissen und dränge sich belehrend vor
  15. umgangssprachlich:eine sich nicht an andere Menschen anschließende und keinen Kontakt zu ihnen suchende oder findende Person; einzelgängerische Person
  16. umgangssprachlich:Mann, der (noch) nicht verheiratet ist
  17. umgangssprachlich:Junge, der keine Freundin hat
  18. umgangssprachlich:unfreiwillige Ejakulation
    • „»Ich will mich wirklich nicht wieder mit diesem Ekel abmühen, heute.« »Mindestens kriegst du von dem keine Kopfschmerzen. Der Dicke gestern Abend, der schafft es absolut nicht, wenn er nicht so schrill wie eine Sirene kreischt. Erst kreischt er und dann schreit er: ‚Jetzt kommt’s und ist kein Blindgänger.‘[…]«“Annette Weisberg: Die Raben zu finden. Roman. 1. Auflage, Pro BUSINESS, Berlin 2009, ISBN 978-3-986805-403-3, Seite 93. Zitiert nach Google Books.
  19. umgangssprachlich:Ejakulation, die nicht zur Schwängerung geführt hat
  20. umgangssprachlich:jemand, der (immer wieder) beim Geschlechtsverkehr versagt
  21. umgangssprachlich:anorgasmischer Koitus
  22. umgangssprachlich:eine verheiratete und kinderlose Person
  23. umgangssprachlich:Mann, der zeugungsunfähig ist
    • „Ein Mann mit einer plötzlich auftretenden, vorübergehenden Impotenz hat eine Ladehemmung, stellt er sich für längere Zeit als impotent heraus, ist er ein Blindgänger.“Fritz Pasierbsky: Krieg und Frieden in der Sprache. Eine sprachwissenschaftliche Textanalyse. Originalausgabe, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1983, ISBN 978-3-596-26409-4, Seite 25. Zitiert nach Google Books. Im Originalsatz sind die Wörter »Ladehemmung« und »Blindgänger« kursiv gesetzt.
    • „Von Tag zu Tag wächst meine Angst. Ich - ein Impotenter? Ein taubes Ei? Ein Blindgänger? Als der Arzt mir das Gegenteil mitteilt, hätte ich ihn umarmen können.“Manfred Wolter: Notwehr. Kein Genre. 1. Auflage, Union Verlag Berlin, Berlin 1989, ISBN 978-3-372-00276-6, Seite 205. Zitiert nach Google Books.
  24. umgangssprachlich:jemand, der Ehebruch begeht
    • „Edna heizte nun den Ofen im Wohnzimmer, und obwohl wir im selben Raum saßen, sprach sie genauso laut weiter: ‚Und dein Mosmann ist auch so ein Blindgänger! […]Und du gibst für den armen hilflosen Menschen dein Studium auf, erziehst seine Kinder, wäschst seine Hemden, gehst arbeiten, damit er sich ein Auto kaufen kann - und jetzt, jetzt hat er ’ne andere!‘“Hans Weber: Bin ich Moses? Roman. 7. Auflage, Verlag Neues Leben, Berlin 1983, Seite 87. Zitiert nach Google Books.
    • „Der Przimissel. Auch wieder so ein Blindgänger. Und da soll man noch etwas Gutes über die Männer sagen.“Heinz Pointek: Feuer im Wind. Die Erzählungen, die Hörspiele, eine Komödie. Schneekluth, München 1985, ISBN 978-3-7951-0881-6, Seite 613. Zitiert nach Google Books.
Deklination
KasusSingularPlural
Nominativder Blindgängerdie Blindgänger
Genitivdes Blindgängersder Blindgänger
Dativdem Blindgängerden Blindgängern
Akkusativden Blindgängerdie Blindgänger

Quelle: Wiktionary, lizenziert unter CC BY-SA 4.0. Scrabble-Punkte nach den offiziellen deutschen Buchstabenwerten.